
Man stelle sich folgendes Szenario vor: Eines Morgens wachst du auf und aus den von dir bisher vermuteten italienischen Wurzeln sind indische geworden. Du trägst plötzlich einen offensichtlich indischen Namen und irgendwie hast du das Gefühl, dein neues Leben durch eine besondere Zuwendung an die neue alte Herkunft zu "würzen".
In genau dieser Lage stecken Sanjay und Priya Ramaswami, die hier ihre Erfahrungen mit den interessierten Lesern teilen.
Willkommen also bei "Indisch für Ahnungslose" - Teil 1 "das tägliche Leben"

Zuerst einmal ist Indien weit weg. Das bedeutet, dass es dort Tiere gibt, die hier nicht vorkommen. Um sich also zuhause zu fühlen, sollte man die Fauna angleichen - dabei hat es sich aber als schlechte Idee herausgestellt, indische Schmetterlinge per Paketpost in ihr neues Domizil zu schicken, die Insekten neigen dazu, an dem schlechten Karma (Banausen nennen es "schlechte Sauerstoffzufuhr") in der Verpackung einzugehen.

In Indien isst man Curry - das ist Gemüse in einer Soße und lange gekocht. Leider sind die Bestandteile nur in wenigen Supermärkten erhältlich. Von der Konsistenz her tut es dann aber erst einmal auch Milchreis, evtl. mit etwas Currypulver angereichert.

Der Dekoration in dem Haus ist viel Zeit zu widmen, will man doch das nicht ganz typisch indische Fachwerk etwas kaschieren. Bilder tragen auf jeden Fall zum Ambiente bei und meditative Bildbetrachtungen bieten einen schönen Einstieg in den indischen Tag.

Interessant ist auch die Rolle der Frau in Indien. Diese ist dem Manne sicherlich untertan. Die Übertragung dieser Lebensweisheit könnte allerdings auf gewisse Widerstände stoßen, aber wenn man(n) sie inständig bittet, ist sie vielleicht bereit, dem Mann gewisse Freiheiten zu gewähren (und wenn es nur darum geht, wann er die Toilette putzen muss). Große soziale Umstürze dauern eben ihre Zeit...

Ganz wichtig ist auch die Rolle der Kuh in Indien. Kühe sind toll und wer etwas auf sich hält, muss ein solches Tier im Garten halten (bei schlechtem Wetter sollte das Wohnzimmer genug Platz bieten). Allerdings ist es aus Perspektive des Mannes sinnvoll, vor dem Erwerb mit der Frau über die Hausarbeitsaufteilung zu diskutieren - Kuhfladen aus dem Wohnzimmer zu entfernen macht nur bedingt Spaß.

Bei sovielen Aufgaben ist es wichtig, dass sich der Inder von Welt auch erholen kann. Meditation alleine ist zwar angemessen, kann aber relativ schnell langweilig werden, glücklich wer für solche Fälle vorgesorgt hat und über Musikinstrumente verfügt, die meditatives Wirken mit unterhaltsamer Aktion verbinden.