
Eigentlich hatte es nach einer guten Idee geklungen, als Tessa Ramirez, ihres Zeichens einzige Tochter und Lieblingskind ihrer Eltern, den Wunsch nach Hunden äußerte. Checo und Lisa hätten ja lieber ein Hündchen aus gutem Hause mit ebensolcher Erziehung gehabt, aber Tessa-Liebling bestand auf Queenie und Strolch, die erst vor kurzer Zeit im Tierheim gelandet waren. "Die sind doch soooo süß".
Dass die "soooo süßen" Hunde mit Vorliebe Gartenbänke zu Kleinholz verarbeiteten, darüber hatten die Tierheimbetreiber kein Wort verloren. Vielleicht hätten Lisa und Checo sich Gedanken machen sollen, als man direkt nach dem Erwerb der beiden Hunde laute Jubelschreie im Tierheim hörte und es einen Tag später auf unbekannte Zeit geschlossen wurde (dabei wollten sie nur nachfragen, ob man theoretisch wenigstens einen Hund zurückgeben könne).

Da Ramirez' Möbelladen nicht einfach wegen Hundeerziehung geschlossen werden konnte, mussten Queenie und Strolch vorerst mitkommen, wenn Checo und Lisa arbeiteten. Dummerweise erwiesen sie sich als Naturtalente - sie bewachten alle Möbel und knurrten jeden Kunden böse an, der es wagte einen Artikel auch nur zu berühren, was wiederum gewissen Fluchtreflexe hervorrief...

Auch zogen die beiden es vor, ihr Geschäft an Ort und Stelle zu verrichten - vermutlich, weil sie so die Kunden besser unter Beobachtung haben konnten.

Im Hause der Ramirez' verhielten sie sich deutlich passender, schließlich kam heir niemand vorbei um etwas mitzunehmen. Sie knurrten auch fast nie, höchstens, wenn sich jemand in das von ihnen auserkorene Bett legen wollte.

Aber ein Wachhund im Bett hat ja auch etwas für sich - auch wenn mangels Einbrecher zumeist eher Ehepartner abgeschreckt werden.

Tessa allerdings liebte ihre "Hundis" - vor allem, seit sich Strolch auf das Fressen von Hausaufgaben verlegt hatte.

Doch nur zwei Tiere sind für ein Kind viel zu wenig - mindestens ein Papagei musste noch her und so zog Mr. Johnson ein, ein norwegischer Fjordpapagei, der recht bald ein erstaunliches Talent für Schimpfworte entwickelte.

Der nächste Wunsch kam mal ausnahmsweise nicht von Tessa sondern von Queenie. Die Gute wünschte sich nämlich (vermutlich als Konsequenz aus bestimmten Wünschen, die mit Strolch zu tun hatten) kleine, süße Hundebabys. Praktisch veranlagt wie Hunde nun einmal sind, erfüllte sie ihn sich dann gleich selbst - und brachte in einem unbeobachteten Augenblick Scotty, Uhura und Tasha zur Welt, zur großen Freunde ihrer kleinen Herrin (Tessas Eltern freuten sich etwas weniger).

wirklich größer wurde die Freude von Lisa und Checo auch nicht, als sie erfahren durften, dass die Blasen von kleinen Hunden durchaus an Volumen an die ihrer Eltern heranreichten, was vor allem Uhura immer wieder gerne unter Beweis stellte.

Aufgrund dieser Erfahrungen atmeten Ramirez' doch auf, als sich Tessas nächster Wunsch endlich nicht auf lebende Wesen bezog. Ein neues Kinderzimmer würde immerhin weder Möbel ankauen noch Gassi gehen wollen.

Übrigens hatten die Hunde noch einen ganz gravierenden Nachteil. Um das Haus auch nach der Arbeit noch bewohnbar vorzufinden (und gleichzeitig die Kunden nicht in Panik zu versetzen durch knurrende Wachhunde im Geschäft) sah sich Lisa gezwungen, vorerst ihre familieninterne Stelle an der Kasse aufzugeben und Checo musste eine Arbeitskraft einstellen. Wirklich begeistert war Lisa nicht davon - wusste sie doch um Checos Vorliebe für Blondinen... Wenigstens beschrieb ihr Mann die Neue als "alt und unansehlich".

So konnte sich Lisa aber immerhin am Klavierspiel ihrer Tochter erfreuen. Tessa hatte nämlich beschlossen, Starpianistin zu werden.

Inzwischen waren nach dem Klavierkauf wieder einige Tage ohne Wünsche vergangen und Ramirez' hofften schon, Tessa wäre endlich zufrieden, als die Kleine nach dem Essen das Wort an Lisa und Checo richtete: "Liebe Mama, lieber Papa, ich mag euch ja sehr, aber eine ganz kleine Kleinigkeit fehlt mir noch, um wirklich glücklich zu sein. Desdemona Capp aus meiner Parallelklasse hat nämlich vor einiger Zeit ein ganz tolles Geschenk von ihren Eltern bekommen - eine kleine Schwester. Das will ich auch!"
...to be continued...