Montag, 29. August 2011

Landlust - Landfrust (Familie Roth)

Da waren sie nun also - Morty und Stella Roth mitsamt ihren Kindern Sandra und Xander - eingetroffen in Auenhausen und auf den Spuren der schottischen Vorfahren - zumindest Morty war dies. Er liebte die neue Umgebung. Stella und die Kinder hatten ihre Begeisterung über den Umzug zwar gut verborgen, aber er war sich sicher, dass auch sie bald die Vorteile des Landlebens entdecken würden. In der Stadt zum Beispiel konnten sie nie so frei durch die Pfützen stampfen und dabei "The Flowers of Scotland" singen (ja, Morty war es durchaus bewusst, dass es eigentlich nur um eine Blume ging, aber hier auf dem Lande kam ihm diese Darstellung doch seltsam vor).

Immerhin hatte Sandra sich sehr schnell eingefunden, inzwischen hatte sie schon Jacob Martin aus ihrer Parallelklasse kennengelernt und beide widmeten sich in ihrer Freizeit Untersuchungen über das Leben von jungen Leuten in Schottland - sehr lobenswert, wie Morty fand und die Vorbehalte seiner Frau über die zahlreichen Lerntreffs der beiden konnte er nicht wirklich nachvollziehen.

Auch Sohn Xander hatte sich recht schnell mit dem Landleben angefreundet, vermutlich vor allem, weil er hier deutlich interessantere streunende Tiere vorgefunden hatte als in der Stadt. So ein Welpe war schon niedlicher als eine Kanalratte - obwohl die Anzahl der streunenden Hunde in Auenhausen nicht zu unterschätzen war, irgendwo musste es ein Nest geben.

Die ganze Familie Roth war also glücklich und zufrieden - die ganze Familie? Nein, eine Person nicht wirklich. Stella jedenfalls trauerte immer noch ihrer alten Umgebung nach. Nicht, dass sie den durchgehenden Trubel der Stadt brauchte, aber hier erschien ihr ihr Leben etwas zu langweilig, zumal ihre Familie durch Familienforschung (Morty), Hundespiele (Xander) und Jacob (Sandra) ausgelastet war... Irgendwelche diesbezüglichen Hilfeersuche an Morty nahm dieser leider nicht weiter ernst - wohlmöglich lag das auch an dem schottischen Whiskey, den er ausgibig testete.

Immerhin tröstete sich Stella damit, dass ihr Mann, nachdem er festgestellt hatte, dass er als Schotte zu geizig war um ein Hausmädchen zu zahlen, freiwillig den Putzdienst übernahm - wenn gleich seine Uniform dazu gewöhnungsbedürftig war (immerhin boten sich hier durchas Gelegenheiten nachzuforschen, was ein Schotte unter dem Rock trug).

So wäre das Leben von Stella wohl weiterhin ruhig verlaufen, wenn sie nicht eines Abends nach einer kurzen Flucht aus Auenhausen in der Downtown auf Cornwall Capp getroffen wäre, der aus Frust über unterbleibende Streitigkeiten zwischen seiner Frau und seinem Schwager ebenfalls das Vergessen suchte...
Doch das ist ein anderes Thema, über das zu seiner Zeit berichtet werden soll.


Viel gravierender war wohl zu dieser Zeit eher die Tatsache, dass Morty in einem Anfall plötzlicher Freigibigkeit beschloss, seinem kleinen Sohn die Freude seines Lebens zu bereiten. Schon immer hatte Xander von einem Hund geträumt und durch den Ausverkauf in der ansässigen Zoohandlung ergab sich die Möglichkeit, ihm diesen Wunsch durch Hündin Dina zu erfüllen.

Nun sind spontane Entscheidungen nicht immer von Erfolg gekrönt, dummerweise war Morty nämlich nicht der einzige gewesen, der den Ausverkauf für eine Überraschung genutzt hatte. So wurde Xander innerhalb weniger Stunden nicht nur der glückliche Besitzer von Dina sondern auch von Boston (mitgebracht von Sandra)...

... und Humphrey (mitgebracht von Stella). Die nächste Familienkonferenz beschloss daraufhin einstimmig (nämlich mit der von Stella), Tierkäufe nur noch nach Genehmigung durch ein anderes Familienmitglied (nach Möglichkeiten weiblich und erwachsen) durchzuführen.

So begann das Leben mit drei Hunden. Eigentlich war es schön so, zumal Dina inzwischen auch fast nur die wertlosen Gegenstände zerstörte (wie sie es geschafft hatte, von einem ganzen Sofa nur noch einzelne Fetzen übrig zu lassen, blieb ihr Geheimnis); Boston nur noch alle zwei Tage dem Briefträger am Hosenboden hing und Humphrey seine Pfützen immer öfter in die Räume machte, die ohnehin gewischt werden mussten (gut, ausgenommen vielleicht von der Sache mit dem Bett, aber das war ein Ausrutscher gewesen.

Und so lebten die Roths glücklich und zufrieden in Auenhausen - und wenn Morty nicht eines Tages zwei Stunden vor seinem eigentlichen Arbeitsende nach Hause gekommen wäre, wäre alles auch so geblieben...