Samstag, 13. März 2010

To be green or not to be (Familie Greenman)


Da saß sie nun, Daisy Greenman, ihres Zeichens nicht nur hochintelligentes Kleinkind mit wissenschaftlichen Ambitionen sondern auch erster und bisher einziger Nachwuchs der Greenmans, das heißt genau gesagt eigentlich nur Nachwuchs von Rose, da die normale Vermehrung bei Pflanzlingen anders verlief als bei normalen Sims.
Neben den Vorteilen dieser speziellen Vermehrungsart (keine Schwangerschaftsübelkeit, keine lustigen lila Schwangerschaftshosen, schnelle Fortpflanzung und daher keine Zeit für wohlmeinende Tipps hilfreicher Mitsims ("Ein so spitzer Bauch deutet auf jeden Fall auf ein großes Kind mit blonden Haaren hin, du darfst jetzt auf gar keinen Fall an Scheren denken, sonst verliert es die Haare wieder")) hatte sie allerdings auch ganz spezifische Nachteile, vor allem die Vorbestimmtheit des eigenen Lebens.

Daisy wusste also schon von dem Tag ihres Bewusstwerdens ab (also ca. drei Minuten nach ihrer Entstehung) wie ihr zukünftiges Leben aussehen würde.
Mit zunehmendem Alter würde sie immer mehr Blätter auf der Haut tragen (soweit kein Problem, das sparte den Gang zum Tatoostudio) und die Zeit zum großen Teil in der Badewanne verbringen...


Umgeben würden sie vermutlich andere Leute, deren Steckenpferd die Pflanzen sind und die selbst nachts in Unterwäsche noch Erdbeeren pflanzten (warum auch immer ihr "Vater" (natürlich nicht im biologischen aber zumindest im sozialen Sinne, wie sie innerlich immer hinzufügte) Erdbeeren ausgerechnet im Spätherbst anpflanzte, war ihr schleierhaft, geistige Leistung musste etwas mit dem Chlorophylanteil in der Haut zu tun haben).


Immerhin konnte sie mit Pflanzen reden - und wie sie durch ein Experiment ihrer Eltern wusste durchaus auch auf normalem Wege Kinder empfangen. Sonderlich spannend stellte Daisy sich eine Diskussion mit einem Obstbaum allerdings nicht vor, der gemeinsame Erfahungsspielraum war doch ein wenig begrenzt...
Ob das für ein erfülltes Leben ausreichte?


Ihre Eltern waren ihr in solchen existentiellen Fragen allerdings keine große Hilfe, während sich
Jason ganz seinem neuen beruflichen Leben als Gärtner (was sonst?) widmete,

erging sich Rose in Gesprächskreisen mit Primeln zu dem Thema "Hilfe, die Blätter meiner Nachbarprimel sind grüner als meine" oder "Ich glaube meine Biene fliegt fremd, sie hatte fremden Blütenstaub auf dem linken Fühler".
Keine wirkliche Lebensperspektive, wenn man als Kleinkind schon die Relativitätstheorie mit dem Kuschelhasen diskutierte.


Interessanter schienen da die Interessen und Fähigkeiten der "normalen" Sims zu sein, vor allem, da es in ihrem Leben deutlich mehr Zeit gab und mehr Lebenszeit ist auch mehr Lernzeit. Ein Universitätsstudium würde Daisy in ihrer Gestalt auch nicht offenstehen, Kleinkinder wurde im allgemeinen noch nicht zur Immatrikulation zugelassen und als erwachsener Pflanzling wäre sie zu alt. Leider alterten Pflanzlinge zu schnell, um sich wirklich mit allen Lebensphasen beschäftigen zu können.


Den Ausschlag aber gaben für Daisys Entscheidung zwei (oder genauer drei) Punkte. Zum einen die Geburt der Zwillinge Astor und Willow, die zwar von Rose geboren, aber in ihrem Äußeren und ihren Chancen dem Vater Jason glichen. Pflanzlingsein vererbte sich also anscheinend nicht.


Zum anderen war da die Idee von Rose, Daisy als Pflanzling nicht alleine mit zwei simlichen Brüdern leben zu lassen. Daisy hatte noch nie verstanden, warum ihre Mutter so spontan war...

... doch kaum hatte Rose sich dreimal geschüttelt, saß auch schon Greener vor bzw. hinter Daisy. Eben so klug wie seine Schwester aber mit deutlich weniger Durchsetzungsvermögen ausgestattet wünschte auch er sich ein Leben ohne die grüne Gebundenheit mit allen Möglichkeiten, die die Brüder auch haben würden.


So hatte Daisy also noch einen Grund, etwas zu unternehmen. Glücklicherweise beherbergte ihre Spielzeugtruhe schon lange die "Wissenschaftliche Enzyklopädie des Simsseins", ein Standartwerk, dass Daisy schon lange vor den neugierigen Fingern ihrer Familie verborgen hielt. Diesem Werk zufolge gab es schon lange spezielle Tränke, die die Rückwandlung von Pflanzlingen in normale Sims ermöglichten, leider waren sie bisher nur für Erwachsene zugelassen.


Zum Glück fragte der große online Buchhändler Simazon bei Bestellungen nicht nach dem Alter so dass Daisy recht schnell an weiterführende Fachliteratur über die Verträglichkeit von Zaubertränken bei Kleinkindern forschen konnte.


Mit einem als Spielzeugkiste getarnten Chemiekasten startete Daisy so ihre Entwicklung. Greener hingegen tat das, was er am besten konnte - Eltern beschäftigen und durch lustige Spiele und informative Gespräche über die Qualität von Spielhasen von den wichtigen Ereignissen abzulenken.


Trotz allem Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten war es Daisy doch mulmig zumute, als sie ihren Trank an die Lippen führte. Eigentlich ließ ein Wissenschaftler ja testen um nicht den eigenen Versuchen zum Opfer zu fallen, aber in diesem Fall war alles einfach viel zu wichtig, um das Testen anderen zu überlassen (abgesehen davon hatte Greener schon rechtzeitig klargestellt, dass er nur trinken würde, was vorher seine Wirksamkeit erwiesen hatte).


Wie groß war der Jubel der beiden Kleinkinder, als die Umwandlung tatsächlich gelang. Nun würden ihnen alle Wege offenstehen - und zudem auch noch die Möglichkeit der Vermarktung.
Daisy hatte da schon feste Pläne - erst würden sie einen Vertrieb für die Umwaldung in Pflanzlinge unterstützende Pflanzenschutzmittel eröffnen und später Lösungen für die "Betroffenen" anbieten. Jetzt mussten sie nur noch möglichst schnell bewirken, dass die Geschäftsfähigkeit auf 18 Monate herabgesetzt wurde...