
Als ihre Eltern noch lebten war Orphelia Spector nie eine Hundefreundin, ihr Leben war einfach zu sehr mit dem ausgefüllt, was ein Teenagerleben ausmacht, vor allem mit Gedanken an ihren Freund Johnny Smith und Telefongesprächen mit ihren besten Freundinnen Lilith und Angela Pleasant (ja, Orphelia schafft es irgendwie, mit beiden Schwestern gleichzeitig befreundet zu sein). Seit sie jedoch bei ihrer Tante Olive Spector lebt ist sie über die Gesellschaft eines Vierbeiners sehr dankbar, legen die meisten Freunde von ihr doch nicht wirklich Wert darauf, sich in einem Haus mit der schrulligen Dame mit einer Sammlung von Grabsteinen im Garten aufzuhalten.

Überhaupt scheinen die meisten anderen Sims Olive zu meiden, nur Nervous Subject wird nicht müde, die alte Dame immer wieder zu besuchen. Stundenlang reden und tuscheln die beiden und auch wenn Orphelia Nervous bisher recht nett findet ist ihr dieses Verhalten manchmal etwas unheimlich.

Wüsste das Mädchen, was Tante Olive in ihrer Freizeit tut, würde sie sicherlich den Hochzeitsplänen von Johnnys Vater zustimmen und sofort das Haus verlassen.
Doch nur nachts wenn sie schon lange schläft schleicht sich Olive in der Dunkelheit zu den alten Götzenbildern, die von unwissenden Sims zur Dekoration aufgestellt wurden - ohne zu berücksichtigen, welche dunkle Macht sich in ihnen verbirgt.

Auch die nächtlichen Bekanntschaften von Olive sind im allgemeinen nicht allzu vertrauenserweckend - wobei das bisschen Vorliebe für spezielle Ernährungsgewohnheiten doch eigentlich kein Problem sein sollte in einer aufgeklärten simsischen Gesellschaft.

Immerhin ist auch der Haushalt nicht Orphelias Aufgabe, erst kurz nach ihrem Einzug hat Olive bei der Gesellschaft "Heinzelmännchen" einen Butler engagiert. Wirklich heimlich kommt der gute Herr zwar nicht, aber er übernimmt klaglos alle haushaltlichen Pflichten.

An seiner Kochkunst muss er allerdings noch arbeiten, doch Mortimer Goth, der ab und an mit Olive über die Frühjahrskollektion von Grabsteinen plaudert, ist mit dem Fertigessen bisher durchaus zufrieden.

Etwas verwundert Orphelia allerdings die Tatsache, dass ihre Tante doch tatsächlich begonnen hat, dem Angestellten Avancen zu machen. Interessanterweise scheint dieser auch voll und ganz darauf einzusteigen (ob es über das Verhalten im Flirt mit Arbeitgebern auch Vorschriften gibt?), obwohl Tante Olive seltsam unbeteiligt wirkt...

Dass ihre Tante einen Partner braucht, ist Orphelia immerhin schon lange klar. Immer öfter sitzt Olive nämlich auf dem Sofa und sobald sie sich unbeobachtet fühlt, streichelt sie mit versonnenem Blick die Sitzfläche neben sich - vielleicht hat hier einer ihrer zahllosen verblichenen Ehemänner früher immer Platz genommen?

So kommt es, dass Orphelia doch etwas verwundert reagiert, als ihre Tante eines Tages zum ersten Mal seit sie zusammen wohnen glücklich scheint. Vermutlich tut ihr ihr neuer Freund wirklich gut. Ihm scheint die kleine Affaire auch gut zu tun, an fraglichem Tage scheint er seine Arbeit nämlich beflügelt von junger Liebe deutlich schneller erledigt zu haben, denn schon am frühen Nachmittag ist er nicht mehr zu sehen.

Die erste "Amtshandlung" von Olive beim Einzug ihrer Nichte war übrigens die Aufteilung des Hauses in "erlaubte" und "verbotene" Bereiche. Erlaubt sind Küche, Orphelias Zimmer, ihr Bad und das Wohnzimmer, während Olives Bereich tabu für das junge Mädchen ist. So ist es auch wenig verwunderlich, dass Orphelia erst nach einiger Zeit wagt, den gedämpften Rufen aus dem Abstellraum vor dem Schlafzimmer der Tante zu folgen.

Wie entsetzt ist sie allerdings, als sich der Rufende als der Butler entpuppt, von der Tante ohne jede Nahrung oder wenigstens eine Reinigungsmöglichkeit eingeschlossen. Ohne eine Entschuldigung abzuwarten und mit einer Geschwindigkeit, die man ihm in seinem Alter nicht zutrauen würde verlässt er so schnell es geht das Haus, nicht ohne Orphelia noch darauf hinzuweisen, dass sich der Stundenlohn bei nicht angemessener Behandlung verdreifacht.

Olive hingegen hat sich wohl direkt nach dem Anschlag auf den Butler auf ihren Lieblingsplatz zurückgezogen. Vorhaltungen ihrer Nichte, dass es nicht in Ordnung wäre, Mordversuche zu unternehmen und Butler ein Recht auf freien Ausgang hätten begegnet sie nur mit einem stillen Lächeln als wäre sie der Welt schon ganz entrückt.

Realer als Tante Olive wirken in diesem Zusammenhang fast die Geister, die sich von den Vorkommnissen unbeeindruckt immer wieder zeigen. Still vermutet Orphelia, dass die Chance, dass der Butler an einem Schock stirbt höher ist als die, dass Olive mit ihren Versuchen Erfolg hat.

Für Orphelia selbst gehören die Geister inzwischen schon so fest zum Leben wie ihr Hundchen. Wenn sie nur berichten könnten, warum sie alle sterben mussten... Orphelia vermutet aber im Geheimen, dass sie diese Frage betreffend selbst ahnungslos sind.